Zahnlücken Pubertät – Anzeichen, Tipps und Erfahrungen

Tief durchatmen

Mein Freund Nikita ruft mich an. Wir sind Papa-Buddies, unsere Kinder sind gut befreundet und ich kann ihn inzwischen gut lesen. Ich weiß schon beim “Hallo”, dass etwas nicht passt, frage also gleich, wo der Schuh drückt.

“Tom (sein Sohn) und ich haben gerade gespielt, ich wollte ihm etwas erklären. Plötzlich springt er auf, schreit mich an, ich solle mein M*** halten und rennt in sein Zimmer. Tür knallt, Kind brüllt und heult.” 

“Krass, sowas ist mir mit Leon (mein Sohn) noch nie passiert”, sage ich mit ironischer Stimme und wir müssen beide laut lachen… .

Ich kenne Tom schon seit 5 Jahren und er ist ein lieber Kerl. Auch Leon ist meistens gut zu haben und macht wenig Stress. Was ist bei den beiden Jungs plötzlich los? Viele Eltern erkennen ihre Kinder im Schuleingangsalter nicht mehr. Die künftigen ABC-Schützen durchlaufen eine Phase, für die sich der Begriff “Wackelzahn Pubertät” eingebürgert hat. Was passiert hier mit den Kindern?

5 Fakten zur Zahnlücken Pubertät

  • Sie beginnt mit dem Ausfallen der ersten Milchzähne, daher der Name. Oft wird sie auch Wackelzahn Pubertät genannt oder als “Trotzphase mit 5” bezeichnet. 
  • Es handelt sich nicht um ein hormonell bedingtes Phänomen (wie die Vorpubertät und die Pubertät), sondern die Kinder reagieren emotional auf die großen Veränderungen in ihrem Leben. 
  • Einige Kinder zeigen hier eher stilles, zurückgezogenes Verhalten. 
  • Die meisten Kinder reagieren aber wütend und irritiert auf die Verwirrung. 
  • Wir können als Eltern sehr viel tun, um unseren Kindern durch diese Phase zu helfen.

Unser Tipp

Wenn du dich eingehender mit dem Thema beschäftigen möchtest, ist das Buch Wackelzahn Pubertät. Gelassen durch die 6-Jahres-Phase von Laura Fröhlich ein guter Anlaufpunkt. Hier bekommst du noch mehr Hintergrundwissen und praktische Tipps, wie du mit dem zornigen Nachwuchs umgehen kannst.

Die Zähne wackeln, der Haussegen auch: Womit darf ich rechnen?

Bericht aus dem Leben:

Leon sitzt an seinem Schreibtisch und malt. Das liebt er. Meine Frau Anna und der kleine Bruder Dennis sitzen auf dem Teppich und spielen. Plötzlich fragt Leon, ob er 15 Minuten Autorennen auf dem Tablet spielen darf. Die Antwort ist klar, das weiß er selbst schon. Unter der Woche gibt es keine Medien bei uns. Meine Frau weist ihn auf die Regel hin, Leon malt weiter. Alles cool. 

10 Minuten später stehen Anna und ich in der Küche und unterhalten uns. Leon kommt rein, knallt ein Bild auf die Arbeitsplatte, schreit meine Frau an “So! Wegen dir schäme ich mich jetzt voll!”, rennt in sein Zimmer und donnert die Tür zu. Auf dem Bild (ein schönes rotes Haus mit Zimmer und Wiese) steht “Mama du bist total blöd und seise!”(*sic) Aus dem Zimmer hört man lautes Weinen. Wir schauen und wissen nicht, ob wir empört, traurig oder belustigt sein sollen…

Im Gespräch mit anderen Eltern stellt sich heraus, dass viele von ihnen ähnliche Situationen erleben. Die Kinder rasten ziemlich unvermittelt aus, demonstrieren in Kindergarten oder Schule gelernte Schimpfwörter (von uns Eltern kann er/sie das ja nicht haben…) und sind untröstlich.

Einige wichtige Erkenntnisse lassen sich daraus ableiten: 

Du bist mit der Situation nicht allein, es geht den meisten Eltern so!
Dieses Verhalten ist nicht die Folge schlechter Erziehung (zumindest nicht in der Regel)!
Du kannst deinem Kind hier sehr gut helfen, die Phase bietet auch eine tolle Chance!

4 Tipps für eine möglichst entspannte Zeit

Ich würde gerne erzählen, dass wir belustigt waren und dass Anna und ich die Situation sofort deeskalieren konnten. Die Realität sah leider anders aus. Mit einigen schlechten Nächten im Gepäck und ziemlich viel Stress auf der Arbeit wurde es erstmal laut und tränenreich. Am Ende haben wir die Kurve dann aber gekriegt. Mit etwas Übung laufen die Dinge inzwischen etwas besser, darum hier einige Tipps aus der Praxis.

Hab’ Geduld – mit deinem Kind.

Es verhält sich nicht so, um dich zu ärgern oder zu provozieren. Das tun die Kinder zwar schon, aber nicht aus Bosheit. Sie befinden sich in einer Phase, in der sie mit sich selbst und den vielen Emotionen überfordert sind. Leon hat in der obigen Erzählung natürlich nicht Scham gefühlt, sondern er war zornig wegen der Regel, mit der er in dem Moment einfach nicht einverstanden war, obwohl wir sie gemeinsam aufgestellt hatten.

Zeig Verständnis

Es ist für dein Kind wichtig, zu verstehen, dass seine Emotionen nicht falsch oder unangemessen sind. Sie sind eben da und müssen irgendwie verarbeitet werden. Selbst mir als Erwachsenem fällt das oft genug ziemlich schwer: Was fühle ich denn gerade? Und warum? Und was ist die angemessene Reaktion? 
Ein 6jähriges Kind muss davon ja überfordert sein. Also zeigen wir Empathie:

“Ich verstehe, dass dich das ärgert!” 
“Du hättest jetzt so große Lust, eine Runde zu zocken, oder?”
“Es ist okay, dass du wütend bist, das bin ich auch oft!”
“Sag mir mal, wo die Wut sitzt.”

Hilf dem Kind, seine Emotionen zu benennen

Unglaublich schwer, aber umso wichtiger. Was fühle ich denn genau? Scham kommt meist erst hinterher, wenn das Bild schon gemalt, die Mama schon beschimpft, die Tür schon zugeknallt und das Geschrei gemacht ist. Vorher war der Zorn, der Ärger, die Wut, die Enttäuschung. Wenn wir dem Kind helfen, diese Gefühle auseinanderzuhalten und zu benennen/erspüren, fällt die nächste Episode (hoffentlich) etwas besser aus. Das braucht für alle Beteiligten Training.
Mir fällt es heute noch schwer, meine Gefühle genau zu beschreiben und zu identifizieren. Ich lerne also auch noch dazu und helfe Leon gleichzeitig mit seinem Gefühlschaos.

Hab’ Geduld – mit dir.

Wenn man das hier schreibt oder liest, klingt es gar nicht so schwer. Aber in der Realität ist es eben viel komplizierter. Wir alle kennen die Faktoren: Schlafmangel, Termine, Arbeit und 1000 andere Dinge machen es uns nicht immer leicht, angemessen und empathisch zu reagieren. Sei also auch mit dir selbst geduldig. Beim heutigen Ausraster des Kindes auch laut geworden? So be it! Dann machst du es beim nächsten Mal eben besser. Niemand – außer vielleicht dir selbst – erwartet von dir, perfekt zu sein. Ganz im Gegenteil steckt auch hier eine Chance verborgen: Du hast falsch reagiert und dein Kind angebrüllt? Dann entschuldige dich. Aufrichtig, mit Wiedergutmachung und Versprechen, dass du dir in Zukunft Mühe geben wirst, es besser zu machen. So lernt dein Kind sofort, wie das richtig geht mit der Entschuldigung.

Das Licht am Ende des Tunnels

Seitdem wir Kinder haben, fällt ganz oft der Satz “Das ist alles nur ne Phase!”. Und so ist es. Auch die Zahnlücken Pubertät geht vorbei und bereitet uns auf die nächsten Phasen vor. Geduld ist wichtig und der Austausch mit anderen Eltern (lass uns gern auch einen Kommentar mit deinen Erfahrungen oder Fragen da). Mir persönlich hilft es sehr, die Chancen in so einem Sturm zu sehen. In all dem Ärger gibt es auch immer etwas zu lernen. Die wichtigste Regel bei uns ist, dass wir nie im Streit ins Bett gehen. Vorher muss alles geklärt sein, damit liebevoll gelesen, gekuschelt und eingeschlafen werden kann. Und morgen ist dann eben ein neuer Tag, an dem wir es ggf. besser machen.

Hast du unseren Artikel genossen?

Dann freu dich auf unseren nächsten Blogbeitrag “Zwischen Kuschel-Kind und Kundschafter: Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit“. Hier tauchen wir tiefer in die Themen Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit bei Kindern ein. Du bekommst praktische Tipps, um deinem Kind zu helfen, das Gleichgewicht zwischen Geborgenheit und Entdeckerlust zu finden. Bleib dran und verpasse diesen spannenden Beitrag nicht!

Suchst Du fachkundigen Rat vom Kindererziehungs-Ratgeber für die Sorgen um Dein Kind? Dann schau doch mal bei unserem Elternratgeber Dr. Hünig vorbei.


Eine Antwort zu „Zahnlücken-Pubertät – Anzeichen, Tipps und Erfahrungen“

  1. Avatar von Moni
    Moni

    Ein schöner Beitrag. Wir haben die Wackelzahn-Pubertät aktuell auch.

1 Kommentar zu „Zahnlücken-Pubertät – Anzeichen, Tipps und Erfahrungen“

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